Hans Navratil – Gründungsmitgleid im Heimat- und geschichtsverein – ist jetzt der achte Ehrenbürger der Stadt Pappenheim. An seinem 90. Geburtstag (28. August 2012) wurde ihm bei einem Festakt die Ehrenbürgerwürde für seine Verdienste um die Erforschung der Pappenheimer Geschichte verliehen. Festliche Klänge von Miriam Lutz und brillante Laudatio von Stadtarchivar Stephan Reuthner.

130828_ehrenbüger navratil 0445 Jahre ist es her, dass in Pappenheim die Ehrenbürgerwürde verliehen worden ist. Damals war es Georg Nestler, der damit für sein soziales Engagement geehrt wurde. Bei einem Festakt am 28.08.2012 im Pappenheimer Rathaussaal kam es nun wieder zur Verleihung einer Ehrenbürgerschaft in Pappenheim. Hans Navratil konnte an seinem 90. Geburtstag mit den besten Empfehlungen von Bürgermeister Uwe Sinn aus der Hand des 2. Bürgermeisters die Verleihungsurkunde zum Ehrenbürger der Stadt Pappenheim entgegen nehmen. Geistig und körperlich rüstig wie eh und je freute sich der neue Ehrenbürger sichtlich über die ihm zuteil gewordene Ehre. „Das ist schon was“ sagt 130828_ehrenbüger navratil 04Hans Navratil im Gespräch. Und auch bei seiner kurzen Ansprache vor gut 50 Gästen im Rathaussaal gab er seiner Freude in aller Bescheidenheit Ausdruck. „Ich danke Euch allen, jedem einzelnen der gekommen ist“ sagte Hans Navratil. Typisch für Ihn seine Ausführungen die zu einem herzhaften Lacher bei den Besuchern ausgelöst haben: „Ich bin erstaunt dass so viele gekommen sind – mitten in der Wochen – mitten unter der Arbeitszeit – und am helllichten Tag.“  

Zu dem großen Ereignis hatten sich mit den Angehörigen des neuen Ehrenbürgers und 130828_ehrenbüger navratil 05Geburtstagsjubilars Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen der Stadt im Rathaussaal eingefunden. Unter den Gästen waren Altbürgermeister Josef Nachtmann, zahlreiche vormalige und amtierende Stadträte, Sparkassenchef Martin Bengel, viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie die Vertreter der bedeutenden Pappenheimer Vereine. Als Vertreter der Kirche war Stadtpfarrer Jürgen Poppe gekommen. Aber auch viele Bürger waren da, denen es in freundschaftlicher Verbundenheit einfach ein Anliegen war, dabei zu sein, wenn dem allseits beliebten Pappenheimer solche Ehren widerfahren. Die weiteste Reise zu dem Festakt hatte Adolf Richter, der 73-jährige Cousin des Jubilars auf sich genommen, der bis von Australien angereist ist.
Festlicher Rahmen
Ein feierlicher und würdiger Rahmen wurde dem Festakt von Miriam Lutz und Stephan Reuthner verliehen. Mit festlicher Gitarrenmusik setze Miriam Lutz die musikalischen Komponente und  Stephan Reuthner begeisterte HansNavratil und die Zuhörer gleichermaßen mit seiner sehr ausführlichen und kurzweiligen Laudatio.
Es ist ja selbstverständlich, dass bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde über den Protagonisten nur gutes erzählt wird. Aber bei Reuthners Laudatio wurde jedem im Pappenheimer Rathaussaal schnell klar, dass man keine besseren Worte finden kann um das Wesen Hans Navratils zu beschreiben. „Hans Navratil nimmt durch seine charakterlichen Eigenschaften andere Menschen für sich ein : freundlich, verbindlich und vertrauensvoll, zurückhaltend, trotzdem mit wachem Blick, verlässlich, bescheiden und unbestechlich, intelligent, an anderen interessiert und ihnen offen begegnend,“ heißt es in den Ausführungen. Reuthner zeigte auch Navratils Lebensweg auf, der ihn von seinem Geburtsort Mährisch Trübau über Geislohe und Göhren nach Zimmern führt, wo er zunächst 15 Jahre lang wohnt und wirkt. Von Anfang an hat er sich in das Gemeinwesen eingebracht, hat eine Chronik über Zimmern geschrieben und dort zusammen mit dem Dorflehrer Archivierungstätigkeiten übernimmt. Seit 1965 wohnt Hans Navratil in Pappenheim, wo er schon seit 1948 ein Fotogeschäft betreibt. Der neue Ehrenbürger ist  Mitglied in vielen Pappenheimer Vereinen. Er hat den Fremdenverkehrsverein mit ins Leben gerufen war viele Jahre dessen Geschäftsführer. Heute ist er Ehrenvorsitzender des in Touristverein umbenannten Fremdenverkehrsvereins.
In der Laudatio kommt auch zur Sprache; dass Hans Navratil durchaus klare Haltungen und Meinungen vertritt. „Vorbildlich macht ihn, dass er diese anderen nicht aufzudrängen versucht. Andere beeinflussen zu wollen liegt ihm fern“ führt der Laudator aus. Und auch der „Navratilsche Charme und seine manchmal aufblitzende Schweyksche Schlitzohrigkeit kommen zur Sprache.

Neben den Charaktereigenschaften beleuchtet die Laudatio auch die besonderen Verdienste als Grundlage für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft. „Hans Navratil ist nicht mehr und nicht weniger als das Gedächtnis Pappenheims und seiner Ortsteile.“ Begonnen hat alles in Zimmern mit Archivarbeiten und Heimatabenden und der Zusammenstellung einer Chronik. Danach beschäftigt sich Navratil mit dem Archiv der Stadt Pappenheim und hat es in zigtausenden von Stunden zu der noch heute bestehenden Anordnung gebracht. Seine Bekanntschaft mit Dr. Wilhelm Kraft (ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Pappenheim) führt ihn zum systematischen Quellenstudium in den Archiven. Mit seinen Aufzeichnungen über die Häuser Pappenheims und seiner Bewohner ist Hans Navratil Bewahrer eines historischen Materials geworden, das heute in dieser Form nicht mehr zusammengetragen werden könnte.
Sein Wissen über Pappenheim und seine Geschichte ist dem Gemeinwesen früher und heute auf vielfältige Weise zugute gekommen. Man denke nur an die Stadtführungen, die Prospekte und Schriften, die mit Hilfe Navratils zu zahllosen Lesern gelangten. „Keine der in den letzten 40 Jahren erschienenen Veröffentlichungen ist ohne die Vor- oder Zuarbeit Navratils denkbar,“ führt Reuthner dazu in der Laudatio aus.

Dabei sieht Navratil sein Lebenswerk lange noch nicht als vollendet an, wie seine Planungen für die Zukunft zeigen. Derzeit arbeitet Hans Navratil an einer Fortsetzung der sogenannten Fleischmannchronik die um die Jahre 1900 bis 1909 erweitert werden soll. Des weiteren soll aus der Feder des Jubilars im kommenden Jahr ein Werk mit dem Titel Pappenheim und seine Bürger erscheinen.

Einstimmiger Beschluss
Die rechtliche Grundlage für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde ist der Artikel 16 der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern. „Die Gemeinden können Persönlichkeiten, die sich um sie besonders verdient gemacht haben, zu Ehrenbürgern ernennen,“ heißt es dort im Absatz 1.  Soweit in Erfahrung gebracht werden konnte geht die entsprechende Initiative auf Bürgermeister Uwe Sinn zurück, der die Verleihung am 26.07.2012 auf die Tagesordnung der Stadtratssitzung brachte. Bei den Beratungen kam man überein, dass die Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Rathaussaal im Rahmen einer Feierstunde stattfinden soll.. Der Ratsbeschluss erfolgte mit einstimmigem Votum.
Wegen der Urlaubsabwesenheit des Rathauschefs wurde die Übergabe der Ehrenbürgerurkunde vom 2. Bürgermeister Friedrich Obernöder vorgenommen.
Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung gab es einen Sektempfang mit Häppchen, der von den Marianne Stephan und Ina Strunz organisiert worden war. Im Rahmen dieses Empfangs hatten auch alle Gäste die Gelegenheit, dem  hochbetagten aber agilen Jubilar zu seinem 90. Geburtstag und zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde zu gratulieren.

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