In einem Artikel von Jan Stephan weist das Weißenburger Tagblatt auf die angestrebte Fortsetzung der Forschungen unseres Vereins am jüdischen Friedhof in Pappenheim hin. Wir wollen die Inschriften der Grabsteine weltweit recherchierbar machen. Die Veröffentlichung des Zeitungsartikels erfolgt mit freundlicher Zustimmung der Weißenburger Tagblatts.

Am Jüdischen Friedhof in Pappenheim

Neue Forschungen

Verein will weiteres Projekt finanzieren –Vortrag am morgigen Mittwoch

PAPPENHEIM (js) – Der Heimat und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile bemüht sich um die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte der Stadt. Am morgigen Mittwoch stellt Professor Dr. Michael Brocke vom wissenschaftlichen Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut der Uni Essen in einem öffentlichen Vortrag die weiteren Pläne vor. Beginn ist um 15.00 Uhr im Haus des Gastes in Pappenheim.

Im Kern des neuen Projekts steht der Jüdische Friedhof in Pappenheim. Er ist tatsächlich ein beeindruckendes Zeugnis der langen jüdischen Geschichte der Region und nicht zuletzt auch ein Beleg für die Bedeutung Pappenheims für die jüdische Gemeinde. Immerhin soll es sich um eine der ältesten in ganz Deutschland handeln.
Tatsache ist jedenfalls, dass der Jüdische Friedhof in Pappenheim einen beachtlichen Einzugsbereich hatte. In Pappenheim wurden die Juden aus Regensburg, Neuburg, Eichstätt, Treuchtlingen, Berolzheim und Ellingen bestattet.
Was das Gräberfeld zudem so interessant macht, ist der Umstand, dass die originalen Grabsteine aus Solnhofener Natursteinen die Jahrhunderte gut überstanden haben. Und dass die Inschriften auf ihnen einen tiefen Einblick in das Leben der jüdischen Gemeinde zulassen – in ihre Berufe, ihre Geschäfte, ihre Schicksale. Allerdings sind die meisten Inschriften nur noch mit aufwendigen Vorarbeiten zu lesen.
Schon seit zehn Jahren kümmert sich der Pappenheimer Verein mit internationaler Hilfe um die Erforschung des Friedhofs. In einem ersten Projekt konnten bereits Inschriften entziffert werden. Nun sollen weitere Bereiche des Friedhofs und weitere Grabsteine untersucht werden. Dazu will der Heimat- und Geschichtsverein mit dem Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut der Uni Essen und Professor Michael Brocke zusammenarbeiten und die gesamten hebräischen Inschriften der Grabsteine transkribieren lassen. Die Inschriften sollen in eine von dem Institut gepflegte Online-Datenbank aufgenommen werden, um so weltweit für die Forschung abrufbar zu sein.

Jüdische Bestattungswege
Zudem sollte überprüft werden, ob noch Originalsteine von der letzten Planung von 1937 am oberen Jüdischen Friedhof stehen, und Vergleiche mit dem jetzigen Friedhofsplan sollten angestellt werden. All das soll auch neue Aufschlüsse über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Pappenheim geben. Zudem erhofft man sich Erkenntnisse zu den jüdischen Bestattungswegen von Regensburg über Eichstätt, Pappenheim, Gunzenhausen nach Ansbach. Mittelfristig sollten diese wieder sichtbar und begehbar werden und so ein vergessenes Stück jüdischer Geschichte erzählen.

In Zusammenarbeit mit dem BRHörpfade-Stiftungsprojekt ist zudem geplant, gemeinsam mit der Senefelder-Schule Treuchtlingen verschiedene Hörstationen in Pappenheim ein – zurichten, die die jüdische Geschichte Pappenheims erzählen. Urlauber Wanderer, Touristen und Einheimische könnten sich dann per Smartphone an den entsprechenden Punkten die Geschichten anhören. Zur Finanzierung des aufwendigen Forschungsprojekts bemüht sich der Heimat- und Geschichtsverein derzeit um Förder -mittel aus dem Leader-Programm der Monheimer Alb.

. Foto: Zöllich
Eindrucksvolles Zeugnis der jüdischen Vergangenheit: Wohl schon im 14. Jahrhundert wurde das Gräberfeld in Pappenheim angelegt. Nun sollen neue Forschungen weitere Erkenntnisse liefern

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